No risk, no fun?! - Bestimme Dein Risikoprofil.

von Tino Mangner

Lesedauer: 4 Minuten


Mann auf der Brücke für das Risiko.

Jede Rendite kommt mit einem Risiko. Je höher die zu erwartende Rendite, desto höher das damit verbundene Risiko. Daher ist es essentiell, sowohl die eigene Wunsch-Rendite als auch das eigene Risikoprofil, konkret: die eigene Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft, zu bestimmen. Die eigene Wunsch-Rendite ist tendenziell schnell bestimmt: so viel wie möglich. Doch zu entscheiden, ob man das dafür notwendige Risiko eingehen kann und auch eingehen möchte, ist nicht so trivial.

Doch genau hierbei unterstützt Euch dieser Artikel!


Unsere zu erwartende Rendite wird also grundsätzlich von unserer eigenen Risikotragfähigkeit und unserer eigenen Risikobereitschaft bestimmt.

Die Risikotragfähigkeit.

Die Risikotragfähigkeit lässt sich objektiv bestimmen und bezeichnet den maximal möglichen Verlust, ohne den eigenen Fortbestand/Lebensstandard zu gefährden. Daraus folgt, dass wir immer nur das Geld für eine Investition nutzen sollten, welches wir weder heute noch in Zukunft zum (Über-)Leben brauchen.

 

Glücklicherweise wissen wir aufgrund unseres Haushaltsplans schon genau, wie viel Geld wir jeden Monat einnehmen, wie viel wir davon zum (Über-)Leben brauchen und wie viel davon übrigbleibt. Zudem haben wir durch unser 4-Kontensystem sichergestellt, dass dieses monatlich verbleibende Geld erst dann komplett für Investitionen genutzt wird, wenn wir unser Sicherheitskonto aufgefüllt haben. Denn erst danach überweisen wir einen Geldbetrag auf unser Investitionskonto. Damit befindet sich auf unserem Investitionskonto immer genau der Geldbetrag, den wir vollständig verlieren könnten, ohne dass sich dies auf unser (Über-)Leben auswirken würde. Dieser Geldbetrag entspricht daher unserer aktuellen Risikotragfähigkeit.

Die Risikobereitschaft.

Das heißt natürlich nicht, dass wir auch bereit sind diesen Betrag zu verlieren. Wie viel wir tatsächlich bereit sind zu verlieren, lässt sich subjektiv bestimmen und wird als Risikobereitschaft bezeichnet. Es beschreibt die nervlich-emotionale Bereitschaft und tatsächliche Fähigkeit, einen verlustbedingten Stress auszuhalten (vgl. Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs* von Gerd Kommer, S. 323). Oder anders ausgedrückt: „Bei welchem finanziellen Verlust könnt Ihr abends noch gut schlafen?“ – Denn wir alle wissen: Ein guter Schlaf ist wichtig!

Die Risikoklassen.

Die Risikobereitschaft wird dabei häufig in Risikoklassen unterteilt und eine Person einer dieser Risikoklassen zugeordnet. Die Anzahl und die Bezeichnungen dieser Risikoklassen können variieren, doch unabhängig davon, gibt immer jede dieser Klassen den Rahmen für den maximal zu erwartendem Verlust vor. Dadurch soll vermieden werden, dass in Finanzprodukte investiert wird, bei denen die Höhe des zu erwartetenden Verlusts, den für die Person aushaltbaren Stress übersteigt. Nachfolgend findet Ihr eine beispielhafte Auflistung dieser Risikoklassen, basierend auf der Unterteilung der Deutschen Vermögensberatungs AG und meiner eigenen Zuordnung der risikobehafteten und risikoarmen Anteile.

Die Risikoklassen.

Abb. 1: Die Risikoklassen.
Quelle: Eigene Abbildung nach der Deutschen Vermögensberatungs AG.

Ein risikobehafteter Anteil von 0-10 % bedeutet, dass die Person zur Erzielung einer Rendite bereit ist, 0-10 % des gesamten Kapitals zu verlieren. Selbstverständlich bedeutet es nicht, dass dieser Verlust wirklich eintritt und die Person 0-10 % ihres gesamten Kapitals verliert. Doch wenn sich der Verlust in diese Richtung bewegt, dann wird diese Person damit umgehen können. – Und keinerlei Schlafprobleme haben.

 

Der verbleibende Anteil ist der risikoarme Anteil und bedeutet, dass das restliche Kapital, hier 90-100 %, keinem/kaum einem Risiko ausgesetzt wird. Der zu erwartende Verlust dieses Anteils ist daher verschwindend gering. Die zu erwartende Rendite allerdings auch.

Die eigene Risikoklasse.

Um ein Gefühl für Eure eigene Risikoklasse zu bekommen, findet Ihr im Folgenden zwei Fragen, basierend auf einer in der Aktienwelt gängigen Faustformel und der Finanzanalyse der Deutschen Vermögensberatungs AG.

Anm.: Solltet Ihr in einem gemeinsamen Finanz-Haushalt leben, so gilt für Euren Haushalt stets die niedrigste, ermittelte Risikoklasse.

Fragen zur Bestimmung der eigenen Risikoklasse.

Die Gesamtpunktzahl berechnest Du jetzt wie folgt:

Gesamtpunktzahl = (Punktzahl aus Frage 1 + Punktzahl aus Frage 2) / 2

 

Deine berechnete Punktzahl entspricht dem risikobehafteten Anteil Deines Portfolios in Prozent (%). Entsprechend dieses risikobehafteten Anteils und der oben dargestellten Auflistung aller Risikoklassen, kannst Du Dich nun selbst einer dieser Klassen zuordnen.

Fazit.

Jetzt kennt Ihr Euer aktuelles Risikoprofil und damit auch, welches Risiko Ihr eingehen könnt und welches maximale Risiko Ihr tatsächlich eingehen solltet. Daraus könnt Ihr direkt ableiten, ob Ihr besser mehr in risikobehaftete oder besser mehr in risikoarme Finanzprodukte investieren solltet. Wenn Ihr Euch von nun an danach richtet, dann klappt’s auch mit dem guten Schlaf.

Im nächsten Artikel werden wir uns mit den Auswirkungen auf Rendite und Risiko befassen, wenn wir einzelne – und für sich genommen ungeeignete – Finanzprodukte miteinander kombinieren.

– See you there :)


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