Hups! Handy kaputt - Die private Haftpflichtversicherung.

von Tm Haupt

Lesedauer: 7 Minuten


Kaputtes Mobiltelefon für die Haftpflichtversicherung

Heute starten wir mit einer Quizfrage! Was ist gelb, kann nicht schwimmen und hat nur einen Arm? Ja, hat absolut nichts mit dem Thema zu tun, aber Bagger sind nie falsch am Platz! Vielleicht komme ich ja nachher noch einmal darauf zurück – seid gespannt!

 

Also, es soll nicht um die Handyversicherung gehen, sondern um die eigentlich allseits bekannte private Haftpflichtversicherung. Gehen wir dem Thema auf die Spur und klären, was das ist, warum es sie gibt und warum eine Versicherung überhaupt für eigene Blödheit bezahlt. Für viele bedeutet die Haftpflicht schlicht: „Mache ich was kaputt, zahlt die Versicherung!“. Doch wieso überhaupt?


Was ist eine Haftpflichtversicherung?

Versicherungschinesisch: Die Haftpflichtversicherung dient der Risikoabwälzung auf einen Versicherer. Wieso Risikoabwälzung? Jeder weiß, in Deutschland wird Bürokratie großgeschrieben, damit meine ich nicht nur orthographisch. Beim Thema Haftung kann man in einige Fettnäpfchen treten dank unseres Gesetzgebers. Grundsätzlich unterscheidet man in Deliktshaftung und Kontrakthaftung (also der Haftung aus einem Vertrag, bspw. einem Kaufvertrag). Besser zu erkennen ist dies in folgender Tabelle.

Deliktshaftung und Kontrakthaftung bei der privaten Haftpflichtversicherung.

Tab. 1: Unterscheidung zwischen Delikts- und Kontrakthaftung.
Quelle: Eigene Tabelle nach Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung: Ausbildungsliteratur (2009) von Hubert Holthausen, S. 6.


Die Kontrakthaftung lassen wir diesmal außen vor, aber kurz und knackig: Verstoßt Ihr gegen einen geschlossenen Vertrag, müsst Ihr dafür natürlich geradestehen!

Verkauft Ihr Euren Fernseher und setzt einen Kaufvertrag auf, müsst Ihr natürlich nach Übergabe des Geldes die Ware liefern. Tut Ihr dies nicht, kann der Vertragspartner rechtlich gegen Euch vorgehen und nicht nur den Kaufpreis einfordern, sondern auch einen eventuellen Schadenersatz.

Kommen wir zur Deliktshaftung. Wie Ihr erkennen könnt, unterscheidet man die Deliktshaftung in die Verschuldenshaftung und Gefährdungshaftung... so viel unverständliches Zeug. Versuchen wir es ein wenig einfacher zu umschreiben:

  • Verschuldenshaftung:
    • Reines Verschulden: Bin ich schuld? Ja = ich hafte für einen Schaden!
    • Vermutetes Verschulden: Kann ich beweisen, dass ich nicht schuld bin? Ja = ich hafte nicht; Nein = ich hafte.
      Zum Beispiel als Gebäudebesitzer im Bereich der Sorgfaltspflicht.
  • Gefährdungshaftung:
    Wenn Ihr einen Gegenstand besitzt, aus dem eine Grundgefahr ausgeht, haftet Ihr automatisch.
    Zum Beispiel als Halter eines Kfz oder als Tierhalter.

Wenn Ihr also privat einen gelben, einarmigen Bagger fahrt und etwas kaputt macht, haftet Ihr aus der Gefährdungshaftung heraus. – Richtig!

Die Haftung.

Haften, haften, haften … gemeint ist die Haftung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs; um genau zu sein der §823 BGB Schadenersatzpflicht: (1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

 

Genug Mittelfeldgeplänkel. Kurz und knapp zusammenfassend: Wer für etwas haften muss, muss zahlen – und was, wenn man kein Geld hat? Zahlt die Haftpflichtversicherung! Das ist auch der Grund, weshalb diese Versicherung ins Leben gerufen wurde. Eine super Sache! Nicht ohne Grund ist die private Haftpflichtversicherung auch unter den freiwilligen Sachversicherungen auf Platz 1 laut Verbraucherschützer.

Kaputter Teller für die Haftpflichtversicherung

Wie Ihr schon bemerkt, gibt es den ein oder anderen Stolperstein, bei dem das Gesetz sagt: „Nö, Du hast keine Schuld!“. Eigentlich ist das ja gut, weil Ihr nicht zahlen müsst. Doch was ist, wenn Ihr einem Freund beim Umzug helft? Der Freund wollte ja, dass man hilft und muss mit Schäden rechnen. Also sagt Freund/Feind Gesetz: Du haftest nicht, weil Dich keine Schuld trifft. Ist natürlich enorm unangenehm und man will den Schaden eigentlich selbst ersetzen.

 

Dafür gibt es in den meisten Produkten den Einschluss „Schäden bei Gefälligkeitshandlungen“. Somit zahlt Eure Versicherung bei einem solchen Missgeschick. Will Euch Euer Freund ein gutes Video am Smartphone zeigen und Ihr lasst es ausversehen fallen, weil Ihr zu sehr lacht, seid Ihr verantwortlich für den Schaden und haftet. Habt Ihr keine private Haftpflichtversicherung zahlt Ihr im günstigsten Falle nur ein neues Display oder im schlimmsten Fall ein neues Smartphone. Wäre es da nicht hilfreich, wenn Eure Versicherung einspringt? Die Frage könnt Ihr Euch selbst beantworten :-)

 

Aber Achtung: Vorsatz ist bei so gut wie jeder Art von Versicherung ausgeschlossen! Also werft das Handy lieber nicht gegen eine Wand und tut so, als sei es ein Versehen gewesen.

Mythen rund um die Haftung.

"Eltern haften für ihre Kinder!"

Dieser Spruch stimmt nur so halb. Kinder bis sieben Jahre sind grundsätzlich deliktsunfähig – sie trifft also keine Schuld. Der Spruch stimmt nur, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzen und das auch nachgewiesen wird. Entsteht beispielsweise ein Schaden auf dem Spielplatz, bei dem die Eltern nur kurz wegschauten, sind sie nicht haftbar zu machen. Demzufolge müssen sie den entstandenen Schaden rein rechtlich nicht zahlen, moralisch ist das ein ganz anderes Thema. Kinder zwischen acht und 18 sind beschränkt deliktsfähig. Sie sind selbst haftbar zu machen, wenn sie die Folgen des Handelns hätten abschätzen können, aufgrund der eigenen Reife. Das entscheidet dann in den meisten Fällen ein Gericht.

"Für Garderobe keine Haftung."

Vielen kennen das berühmte Schild im Restaurant. Dieser Spruch ist aber nur halb richtig. Hier kommt es ganz auf die Situation an! Hängt Ihr Eure Jacke selbst an die Garderobe und die Garderobe ist in Sichtweite, ist der Restaurantbesitzer fein aus der Sache raus. Anders sieht die Lage aus, wenn Ihr eure Jacken abgebt und der Besitzer diese für den Aufenthalt verwahrt. Hier haftet der Restaurantbesitzer… auch wenn er ein Schild aufgestellt hat. Schließlich könnt Ihr Eure Jacke nicht einmal sehen, wie solltet Ihr also selbst darauf aufpassen können?


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